Jede fünfte Wohnung ist von Schimmel befallen. Experten warnen vor zu großer Zurückhaltung beim Heizen und Lüften.

Der Winter lässt die Nebenkosten so mancher Bürger kräftig ansteigen. Wer wegen der gestiegenen Energiekosten bei Öl und Gas sparen will, riskiert viel. Grund: In kalten, wenig gelüfteten Räumen drohen Feuchteschäden und Schimmelpilzbildung, sagt Ehrenfried Heinz vom Institut für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken (IEMB) an der Technischen Universität Berlin.

Heinz ist Mitautor einer Studie zu Feuchtigkeitsschäden. Von deutschlandweit rund 5500 Wohnungen hatten 22 Prozent Schäden. In 9,3 Prozent der untersuchten Wohnungen sei sogar eine sichtbare Schimmelpilzbildung entdeckt worden, sagte Heinz. Das Wachstum der Pilze wird nach seinen Angaben vor allem durch zu hohe relative Luftfeuchtigkeit, zu niedrige Raum- bzw. Wandtemperaturen und unzureichende Lüftung begünstigt.

Nur regelmäßiges Lüften schützt

Besonders in sanierten Gebäuden ohne modernisierte Wärmedämmung sei mit Problemen zu rechnen. Durch den vorgeschriebenen Einbau moderner, dicht schließender Fenster verringere sich die „Selbstlüftung“ merklich, sofern keine zusätzlichen lüftungstechnischen Maßnahmen getroffen worden sind. In neu errichteten Gebäuden sei es gefährlich, in den ersten zwei bis drei Jahren bei den Heizkosten zu sparen. „Solange noch Baufeuchte in den Wänden ist, sollten die Bewohner ausreichend heizen und lüften“, so Heinz.

Auch ungenutzte Räume müssten beheizt und regelmäßig gelüftet werden. Zudem empfahl er, offenes Wäschetrocknen in der Wohnung generell zu vermeiden. Zur Vorbeugung gegen Schimmelpilzwachstum sei es auch wichtig, vor allem nach dem Kochen oder Duschen ausreichend zu lüften. „Dabei sollte die Tür des betreffenden Raumes geschlossen bleiben, um zu verhindern, dass sich die Feuchtigkeit in der Wohnung ausbreitet“, sagte Heinz.

Gefahr für die Gesundheit

Schimmel gefährdet die Gesundheit. Bei manchen Pilzarten reichen schon wenige Sporen, um Allergien und Hautinfektionen auszulösen. Das Risiko, an Asthma zu erkranken, steigt bei häuslichem Schimmelbefall um 50 Prozent. Ist der Schaden erst einmal da, sollten die erforderlichen Maßnahmen nur einem Fachmann anvertraut werden. Den Pilzbefall nur an der Oberfläche zu beseitigen, sei sinnlos, weiß Gunter Hankammer, Vorstandsvorsitzender der Bundesverbands Schimmelpilzsanierung (BSS). Denn solange die Sporen in den Wänden nicht abgetötet seien, kehren sie immer wieder. Um über die Qualifikation der Fachleute „transparent informieren zu können“, will Hankammers BSS deshalb eine bundeseinheitliche Zertifizierung der in der Schimmelbekämpfung beschäftigten Unternehmen erreichen.(Quelle:FOCUS)